KSD
KatholischeR

Siedlungsdienst e.V.

Der KSD Katholische Siedlungsdienst e.V. ist der Dachverband der katholischen und den der katholischen Kirche nahestehenden Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Deutschland.
Zu unseren Mitgliedern gehören neben den 27 deutschen Bistümern 45 bauende Wohnungsunternehmen, die in ganz Deutschland aktiv sind. Gegründet in der Nachkriegszeit, um die damalige Wohnungsnot zu bekämpfen, sind die kirchlichen Siedlungswerke heute moderne Unternehmen, die auf ein breites Leistungsangebot verweisen können. Neben dem Bau und der Bewirtschaftung des eigenen Immobilienbestandes gehören die Bestandsverwaltung für Dritte, das Bauträgergeschäft, die Projektentwicklung und Baubetreuung insbesondere für kirchliche und caritative Einrichtungen zu ihrem wohnungswirtschaftlichen Alltag, bei dem sie sich stets auch von anderen immobilienwirtschaftlichen Akteuren abzuheben versuchen.

Zudem sind die Durchführung von Vorhaben im sozialen sowie im frei finanzierten Wohnungsbau, Entwicklung und Umsetzung von Quartierskonzepten sowie die Realisierung von Wohneigentum für Familien – auch mit eigenen Fördermodellen – Teil des umfangreichen Portfolios.

Als Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau vertritt der KSD e.V. die Interessen seiner Mitglieder, zu denen auch eine Reihe weiterer überdiözesaner Einrichtungen und Organisationen kirchlichen Hintergrunds gehören. Unsere Aufgabe ist Betreuung und Information, die politische Interessenvertretung und die Vernetzung unserer Mitglieder – der katholischen Wohnungsunternehmen sowie ihrer institutionellen und wirtschaftlichen Partner untereinander.


Abb. links: Projekt Quartier Güterbahnhof Nord, Bauverein Breisgau eG/Foto: Bauverein Breisgau eGAbb. rechts: Projekt Rieselfeld, Siedlungswerk GmbH Wohnungs- und Städtebau, Stuttgart/Foto: Siedlungswerk GmbH

Deus caritas est – Unser Sozialauftrag

„Wohnbau ist Dombau!‟, so das Motto Kardinal Julius Döpfners in der von Zerstörung geprägten Nachkriegszeit, in der die katholischen Siedlungswerke und heutigen Familienheim-Genossenschaften gegründet wurden. Die Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum wurde zum kirchlichen Auftrag und tätigen Ausdruck christlicher Nächstenliebe – Hilfe zur Selbsthilfe vor dem Hintergrund der Katholischen Soziallehre. Heute geht es beim Sozialauftrag der kirchlichen Wohnungsunternehmen nicht nur um die Schaffung von lebenswertem, bezahlbarem Wohnraum für Familien, Senioren und Menschen mit kleinem Geldbeutel, sondern auch um die Realisierung von Sozialimmobilien im Quartier.

Unsere Mitgliedsunternehmen sind leistungsstarke Partner für soziale Träger und errichten in Zusammenarbeit mit Caritas, SKF, SKM oder Behindertenverbänden Einrichtungen im Bereich der Behinderten- oder Altenhilfe, Wohnungslosennothilfe oder Geflüchtetenunterbringung. Dies umfasst auch vielfältigste Wohnformen für Menschen mit Assistenzbedarf – von barrierefreiem Einzelwohnen über Räumlichkeiten für Tagespflegeeinrichtungen bis zur Errichtung von stationären Einrichtungen mit 24/7-Betreuung. Je nach Sozialpartner und Angebot vor Ort bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, um Pflege und Betreuung anzubieten, Wohnangebote in einem Quartier einzubinden und Inklusion möglich zu machen.

Die katholischen Wohnungsunternehmen verfolgen bei neuen Bauprojekten stets das Quartierskonzept: Nicht eine isolierte Wohnanlage soll entstehen, sondern ein Mehrwert für den ganzen Kiez geschaffen werden. Die gute soziale und altersmäßige Durchmischung, Inklusion und Integration in der neuen Wohnanlage sind ebenso wichtig wie Gemeinschaftsräume oder Orte der Begegnung im Außenbereich. Hinzu kommt die Einbindung verschiedener sozialer Angebote – etwa Wohngruppen für Senioren, Tagespflegeeinrichtungen, Quartierscafés, wohnortnahe Betreuung von Kindern, Beratung für Jugendliche, Angebote für Menschen mit Assistenzbedarf, Ansprechpartner für Personen in schwierigen Lebenssituationen, Hilfe für Wohnungslose…

So vielfältig wie die Lebenssituationen der Menschen, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, um im Rahmen von Wohnkonzepten, Quartiersarbeit und Hilfe zur Selbsthilfe Unterstützung zu leisten. Der kirchliche Auftrag zur Schaffung von Wohnraum bildet stets die Basis – die Integration von Sozialeinrichtungen und die Unterstützung der Begegnung zwischen den Menschen sind nach Möglichkeit immer Teil des Konzept. Entstehen sollen lebenswerte, inklusive Wohnanlagen für Jung und Alt, mit einem Mehrwert für das gesamte Quartier.

Laudato si': Die Schöpfung bewahren

Schon bevor weltweit Jugendliche auf die Straße gingen und der Klimaschutz Politik und Gesellschaft aktiv werden ließ, war die Bewahrung der Schöpfung bereits ein großes Thema für die Kirche. Das 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Sendschreiben, die „Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus‟, trägt bereits im Titel, was für den KSD und seine Mitgliedsunternehmen zentrale Aufgabe ist: Die Sorge um das Haus! Die Enzyklika besitzt normativen Charakter und bietet wichtige Impulse zu den Themenfeldern Wohnen, Städtebau, Ressourcenverbrauch, dem gemeinsamen Leben in Städten, Dörfern und Nachbarschaften.

Der KSD und seine Mitglieder bekennen sich klar zu den 2015 im Pariser Abkommen vereinbarten Klimazielen, den von der Bundesregierung im Einklang mit der EU benannten nationalen Klimaschutzzielen und einem klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 – wo unsere Mitglieder können, versuchen sie Vorreiter für eine Dekarbonisierung des Gebäudebestandes zu sein. Die katholischen Wohnungsunternehmen sehen sich durch ihre in den Satzungen festgeschriebene Orientierung an der Katholischen Soziallehre und dem kirchlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung ganz besonders in der Verantwortung, den Worten Taten folgen zu lassen und der Aufforderung von Papst Franziskus nachzukommen.

Unser Freund der Baum ist nicht nur schützenswerter Schattenspender, sondern auch unverzichtbarer CO2-Speicher und damit wertvoller Partner am Bau: Der Werkstoff Holz ist für unsere Mitgliedsunternehmen ebenso Baumaterial der Zukunft wie etwa Recyclingbeton. Der breitere Einsatz solcher ressourcenschonender Materialien ist unverzichtbar für zukunftsfähiges, klimaschonendes Planen und Bauen, ein wichtiger Beitrag auch mit Blick auf den Lebenszyklus von Gebäuden, Rückbau und den Einbezug Grauer Energie in die CO2-Bilanz.

Die Errichtung und der Betrieb von Gebäuden werden immer mit Ressourcennutzung und CO2-Emissionen verbunden sein – es gilt, die negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Die Nutzung Erneuerbarer Energien zur Deckung des Restenergiebedarfs von Gebäuden ist dabei ein großes Thema, Innovation und kreative Ideen sind stets willkommen. Die Einbindung von Photovoltaikanlagen, Mieterstromprojekte, moderne Mobilität mit Carsharing und Ladesäulen oder gar die Warmvermietung durch ausgeklügelte Energiekonzepte, wird bereits in vielen Projekten unserer Mitgliedsunternehmen umgesetzt. Denn nur weil wir unsere Wohneinheiten gemütlich warm haben möchten, soll darunter nicht der Planet leiden.

Die Kirche im Dorf lassen – Kirchenumnutzung

Unsere Kirche befindet sich im Umbruch: Das diözesane Kleid ist vielfach zu groß geworden und muss dringend umgeschneidert werden. In vielen deutschen Diözesen werden Gemeinden zusammengelegt, Pfarrbereiche neu strukturiert – der demographische und gesellschaftliche Wandel erfordert eine pastorale Neuaufstellung und ein Umdenken in den Bistümern und Gemeinden, aber auch bei anderen Kirchorten und kirchlichen Einrichtungen wie etwa den Ordensgemeinschaften. Vielfach sehen sich die kirchlichen Akteure vor die Herausforderung gestellt, nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für Gemeindehäuser, Pfarrsäle und Kirchbauten suchen zu müssen, darüber nachzudenken, was erhalten werden soll, was finanziell unterhalten werden kann, welche pastoralen Konzepte welche kirchlichen Räume erfordern – und auf welche Gebäude und Liegenschaften möglicherweise verzichtet werden kann oder muss.

Seit dem Jahr 2000 wurden in Deutschland mehr als 500 katholische Kirchengebäude für die liturgische Nutzung aufgegeben, rund zwei Drittel davon wurden einer neuen Nutzung zugeführt, 140 wurden als ultima ratio abgerissen. Im November 2018 befassten sich Delegierte der Bischofskonferenzen Europas, Kanadas, der Vereinigten Staaten und Australiens auf einer internationalen Konferenz des Päpstlichen Rates für die Kultur im Vatikan mit Nachnutzungskonzepten von Kirchen, die nicht mehr liturgisch verwendet werden, und verfassten Leitlinien für Stilllegung und Nachnutzung –E der Umbruch ist ein weltweites Phänomen, das lokale Antworten benötigt.

Bischof Dr. Franz-Josef Bode sprach auf der KSD-Jahrestagung 2017 von einer „Verdunstung des Glaubens‟, für den neue Kondensationspunkte geschaffen werden müssten. Zwar gebe es eine starke lokale Glaubensbindung an die Kirchengebäude, aber auch an andere geistliche Orte wie Klöster und Bildungsorte sowie weniger statische Formen – Liturgie, Kunst und Kultur. Dieser Gedanke zeigt: Kirchliche Nutzung ist nicht gleich liturgische Nutzung! Der Glaube kondensiert auch in anderen Kirchorten, in Seniorenzentren, Kitas, Inklusions-WGs oder Quartierscafés. Wenn aus Liturgie Diakonie wird, aus einer Nutzung als Gottesdienstort eine zu sozial-caritativen Zwecken, so bleibt der christliche Gedanke erhalten und trägt zur Belebung ganzer Quartiere bei. Die Frage nach einer zukunftsfähigen Pastoral ist dabei immer eine Frage nach ihren Räumen, danach, wo Kirche zusammen kommt.

Die katholischen Wohnungsunternehmen besitzen eine große Expertise, wenn es um gelungene Um- und Neunutzungen kirchlicher Gebäude geht – die im besten Falle doch weiterhin eine kirchliche Nutzung sein soll. Als natürliche Partner stehen sie den Bistümern, Gemeinden, Orden und Caritasverbänden zur Seite, um gemeinsam Projekte zu entwickeln und umzusetzen, sei es im Bereich Sozialimmobilien, sei es im Wohnungsbau. Es gilt, das diözesane Kleid nicht nur umzuschneidern, sondern passend zu machen, Bistümer, Gemeinden und Institutionen bei ihrer Liegenschaftsplanung zu unterstützen und zukunftsfest aufzustellen.

MIssionarisch Kirche sein

„Jeder nur ein Kreuz!‟, so könnte es auch für die Mieter der katholischen Wohnungsunternehmen heißen. Denn obwohl in den Wohnhäusern, Geschäftsstellen und auf den Baustellen unserer Mitgliedsunternehmen natürlich Menschen jeder Glaubensrichtung willkommen sind, so versuchen die KSD-Mitglieder doch vielfach, ihren kirchlichen Hintergrund auch sichtbar werden zu lassen.

So erhalten die Mieter des KWS Regensburg beispielsweise ein handgefertigtes, gesegnetes Glaskreuz zum Einzug geschenkt, das – schon ob des dekorativen Werts! – auch von Nichtchristen gerne angenommen wird. Andere Unternehmen geben durch Fassadengestaltungen, Infotafeln oder -stelen, kleine Heiligennischen oder der Benennung von Gebäuden und Wohnanlagen Zeugnis, und bei den meisten ist die Baufertigstellung nicht komplett, bevor nicht Pfarrer oder Bischof den Segen Gottes für Haus und Bewohner erbeten haben.

„An ihren Taten sollt ihr sie erkennen‟ lehrt sinngemäß der 1. Johannesbrief. Die Kirchlichkeit unserer Mitgliedsunternehmen spiegelt sich vor allem in ihren Projekten selbst wider: Bezahlbarer Wohnraum, Engagement für die Schöpfung, die Präsenz des Glaubens im Viertel auch nach einer Umnutzung des Kirchengebäudes. Die kirchlichen Wohnungsunternehmen wollen sich sichtbar abheben von anderen Akteuren auf dem Wohnungsmarkt – auch wenn sie dabei natürlich Unternehmen bleiben, die das Geschäftsjahr mit einer schwarzen Null beenden wollen.

Zwar streben die KSD-Mitglieder nicht nach Rendite, dennoch sind sie keine Charity-Veranstaltungen. Auch sie haben Verbindlichkeiten, die beglichen werden wollen, müssen wirtschaftlich handeln, um für die Zukunft fest aufgestellt zu sein. Schließlich sollen sie auch in den nächsten 70 Jahren noch Planen, Bauen und Bewirtschaften können – nicht zuletzt aus Verantwortung für Mieter, Partner und Mitarbeiter. „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten‟, heißt es in den Sprüchen Salomos (Spr 24,3). Verständiges wirtschaftliches Handeln, soziale und ökologische Verantwortung sollen die kirchlichen Wohnungsunternehmen ebenso leiten wie ihre satzungsmäßige Verankerung an der Katholischen Soziallehre. Die Siedlungswerke sind dabei – im Unterschied zu den als Genossenschaften verfassten Familienheimen, die zwar kirchennah orientiert und über den Siedlungswerk Baden e.V. Mitglied des KSD sind, aber darüber hinaus natürlich ihren Mitgliedern verpflichtet – im Mehrheitsbesitz der jeweiligen (Erz-)Bistümer der Region.

Die Bischöfe als Gesellschafter können so unmittelbaren Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen ausüben und dem kirchlichen Auftrag zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums und schöpfungs-verantwortlichen Handelns auch im operativen Geschäft Ausdruck verleihen. Die Kirchlichkeit ist den KSD-Mitgliedern immanent, auch wenn sie auf unterschiedliche Art Zeugnis ihres katholischen Hintergrunds geben und den Glauben nach außen tragen.


Abb. links: Fassadengestaltung Stegerwaldsiedlungs der Aachener SWG/Foto: KSD e.V
Abb. rechts: Bischof Dr. Voderholzer segnet eine neue Wohnanlage des KWS Regensburg/Foto: KWS Regensburg