Verbandsarbeit

Geschichte und Struktur

Der KSD Katholischer Siedlungsdienst e.V. ist der Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau der katholischen Kirche. Der Vorgänger des heutigen KSD wurde 1930 von der Deutschen Bischofskonferenz als Hauptarbeitsstelle mit Sitz in Berlin gegründet. Unter dem Namen “Katholischer Siedlungsdienst” wurden die kirchlichen Initiativen im Bereich der ländlichen Siedlung und des Wohnungsbaus zusammengefasst. In der Tätigkeit zunehmend behindert, wurde der Verband 1941 aufgelöst und am 5. Dezember 1949 in Köln neu gegründet. Angesichts der Wohnungsnot erklärte die katholische Kirche nach dem zweiten Weltkrieg den Wohnungsbau zu einem vorrangigen Ziel kirchlicher Daseinsfürsorge. Berühmt wurde der Ausspruch des späteren Kardinals Julius Döpfner als Bischof 1949 in Würzburg: „Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge und darum auch Herzenssorge des Bischofs.“ Die Organisationsstruktur des KSD entspricht in ihrer regionalen Verteilung den regionalen kirchlichen Strukturen. Ab 1950 hatte der Verein seinen Sitz in Köln. Seit 2001 ist der KSD in Berlin ansässig.

Die satzungsmäßigen Ziele des KSD sind:
  • die Unterstützung breiter Bevölkerungsschichten bei der Versorgung mit angemessenem Wohnraum und der Schaffung eines familiengerechten Heimes zur Verwirklichung christlicher Lebenswerte.
  • die Unterbringung von wirtschaftlich schwachen Bevölkerungskreisen und Personen mit besonderen Problemen am Wohnungsmarkt.
  • der Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Ausgleich unserer Gesellschaft durch Förderung einer breitgestreuten Vermögensbildung in Form des Wohneigentums.
  • die Mitwirkung an der Gestaltung einer geordneten Umwelt und der Sicherung mitmenschlicher Beziehungen im Sinne einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung.

Titelbild der ersten Ausgabe
des KSD-Magazins "Bauen und Siedeln01/1959

Wohnraum für Bedürftige und kirchliches Immobilienmanagement

Der KSD setzt sich als Interessensverband seiner Mitglieder für die Schaffung von Wohneigentum für Familien und Wohnraum für wirtschaftlich Schwächere in besonderen Problemlagen ein. Die Arbeit des Spitzenverbandes besteht darin, den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsunternehmen zu fördern. Er informiert die Öffentlichkeit über das Leistungsspektrum seiner Mitglieder und wirkt mittels Veranstaltungsformate und effektiver Zusammenarbeit mit Vertretern der Politik in Berlin sowie mit Repräsentanten der katholischen Kirche auf die Umsetzung der Verbandsziele hin. So beteiligt sich der KSD an den die Branche betreffenden politischen Entscheidungsprozessen und erarbeitet Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben. Eine wichtige Rolle spielt für den KSD zunehmend das kirchliche Immobilienmanagement. Hierfür bündelt er Erfahrung und Wissen. Dies macht ihn zu einem wichtigen Ansprechpartner in Zeiten, in welchen sich die Kirchen in Deutschland in einem Wandlungsprozess befinden. Als ständiger Gesprächspartner setzt sich der KSD zudem für ein sozial ausgewogenes, familiengerechtes Wohnen ein. Zur Unterstützung dieser Aufgaben kooperiert der Verband mit den kirchlichen Spitzenorganisationen - mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Deutschen Caritasverband sowie Verbänden der Wohnungswirtschaft - insbesondere mit dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. 

Mit dem Evangelischen Siedlungswerk in Deutschland (ESW) besteht eine ständige Arbeitsgemeinschaft (AEK). Die AEK erörtert gemeinsame Anliegen und gibt ggf. gemeinsame Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und bei parlamentarischen Anhörungen ab. Mit kirchlich ausgerichteten Wohnungsunternehmen im europäischen Ausland pflegt der KSD einen intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

Praktische Arbeit und
Katholische Soziallehre

Die kirchlichen Wohnungsunternehmen des KSD bilden im operativen Geschäft die gesamte Wertschöpfungskette im kirchlichen Immobilienbereich von der Beratung über die Projektentwicklung bis hin zum Facility Management ab. Ihr wohnungswirtschaftliches Leistungsspektrum umfasst die Planung, Finanzierung und Erstellung von familiengerechten Eigenheimen, Eigentums- und Mietwohnungen, die Verwaltung und Betreuung von Miet- und Eigentumswohnungen, die Betreuung des Baus, der Sanierung, Modernisierung und Funktionsänderung von Wohnfolgeeinrichtungen und Sozialbauten. Ebenso gehören städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen zum Leistungsprofil der KSD-Unternehmen.

Das Ziel der KSD-Mitglieder ist die Realisierung christlicher Werte im Bereich des Wohnens. Dies spiegelt sich z.B. darin wider, dass die Arbeit der KSD-Unternehmen die besondere Situation der Bedürftigen und Familien am Wohnungsmarkt berücksichtigt. Neben wohnbegleitenden Dienstleistungen erbringen die kirchlichen Siedlungswerke Dienstleistungen im Bereich der kirchlich-sozialen und kommunalen Immobilien. Auch Projekte des Mehrgenerationenwohnens und der Gemeinschaftsbildung im Quartier repräsentieren den Vorrang des Gemeinwohls vor der Individualwohlfahrt und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien der Gemeinwohlorientierung, der Solidarität und der subsidiären Selbstverantwortung findet bei vielen Bauprojekten der KSD-Unternehmen eine praktische Berücksichtigung. Hinzugetreten ist der kirchliche Schöpfungsauftrag, zu dem die sparsame Erschließung und Nutzung von Bauland, aber auch innovative Projekte der ressourcenschonenden Energieverwendung zur „Bewahrung der Schöpfung“ gehören. Diese Kernelemente prägen den ökologischen Auftrag der Unternehmen des KSD, die sich an den neuesten energetischen Standards orientieren. 

Neue Herausforderungen

Zu den besonderen Herausforderungen der Zukunft gehört die zunehmende Alterung der Bevölkerung sowie die Altersarmut. Die barrierefreie Gestaltung des Wohnungsbestandes und die Bewahrung des sozialen Zusammenhaltes in den Quartieren trotz erodierender Familienstrukturen sind für den KSD die zu lösenden Probleme. Die kirchlichen Siedlungswerke reagieren darauf schon seit langem mit innovativen, generationenübergreifenden und energieeffizienten Wohnformen für alle Generationen. Speziell der demographische Wandel schafft neue Bedingungen für das Zusammenleben von Jung und Alt. Diesen Herausforderungen der Quartiersentwicklung stellen sich die Siedlungswerke des KSD. Es gilt zunehmend, die örtlichen Potenziale zu aktivieren sowie das Bürgerbewusstsein für den Stadtteil zu entwickeln.

Seit der Wiedererrichtung der Verbandes 1947 haben die KSD-Unternehmen ca. 400.000 Wohnungen gebaut, davon gut 70 Prozent als selbst genutztes Wohneigentum. Ferner haben sie rund 1.800 Wohnfolgeeinrichtungen, Sozialbauten aller Art und Städtebaumaßnahmen realisiert. Zurzeit bewirtschaften die kirchlichen und kirchlich orientierten Wohnungsunternehmen über 117.000 eigene bzw. fremd verwaltete Wohneinheiten.